petition
2004 hat Actionuni eine Petition lanciert, in der die konsequente Einhaltung des Arbeitsrechts für Doktorierende und Assistierende, die Einführung eines gesamtschweizerischen Mindestlohns für alle Doktorierenden und Assistierenden und die Einführung einer Schlichtungsstelle für allfällige Probleme gefordert werden.
Die Petition wurde im Herbst 2004 beim Staatssekretär für Bildung und Forschung ( http://www.sbf.admin.ch), Herrn Charles Kleiber, eingereicht und zu Beginn dieses Jahres in einem Treffen diskutiert. Actionuni darf demnach auf die Unterstützung des Bundes bauen, um eine Studie durchzuführen, die der Problematik auf den Grund geht. Diese Petition wurde von mehr als 2000 Personnen untergeschrieben.
Diese Petition wendet sich an alle, denen die Zukunft der Forschung und Lehre in der Schweiz ein Anliegen ist. actionuni wird diese Petition Herrn Bundesrat Pascal Couchepin, Vorsteher des EDI, überreichen. In der Schweiz herrschen oft sehr schlechte Arbeitsbedingungen für Doktorierende und Assistierende:
DER ARBEITSVERTRAG WIRD HÄUFIG NICHT RESPEKTIERT Es existiert oft keine klare Arbeitszeitregelung. Viele Doktoranden und Doktorandinnen werden nur zu 50% oder weniger angestellt, müssen aber meist 100% oder mehr arbeiten und werden oft willkürlich für Assistenz und anfallende Arbeiten an der Universität eingesetzt.
DIE LÖHNE SIND WILLKÜRLICH Es existiert kein Gesamtvertrag für die Löhne der Doktorierenden, nicht einmal Übereinkünfte an den einzelnen Universitäten. Viele Instituten können den Lohn der DoktorandInnen beliebig festlegen. So reicht die Lohnpalette von weniger als Fr. 2000.- pro Monat bis zu Fr. 5000.- . Das bedeutet: Viele DoktorandInnen leben trotz langer Ausbildung und hochqualifizierter Arbeit unter dem Existenzminimum.
DAHER VERLANGEN WIR: 1. Die Einhaltung des Arbeitsrechts für alle Doktorierenden und Assistierenden sowie die Einführung eines Grundvertrages, worin die Arbeitszeit, der Lohn, die Einstellungsbedingungen und die Aufgaben klar festgelegt sind. 2. Die Einführung eines gesamtschweizerischen Mindestlohns für alle Doktorierenden und Assistierenden, die der geleisteten Arbeit entsprechen und mit den Löhnen in öffentlichen Sektoren konkurrenzieren können. 3. Die Einführung einer Schlichtungsstelle (Ombudsmann), die bei möglichen Konflikten vermitteln kann. UND WIR SCHLAGEN VOR 1. dass feste Stellen in Forschung und Lehre eingeführt werden, um den besten WissenschafterInnen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. 2. die Einführung eines Doktoratsausschusses, um mögliche Abhängigkeiten und Missbrauch des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen DoktorandIn und SupervisorIn zu vermeiden.
Die Petition wurde im Herbst 2004 beim Staatssekretär für Bildung und Forschung ( http://www.sbf.admin.ch), Herrn Charles Kleiber, eingereicht und zu Beginn dieses Jahres in einem Treffen diskutiert. Actionuni darf demnach auf die Unterstützung des Bundes bauen, um eine Studie durchzuführen, die der Problematik auf den Grund geht. Diese Petition wurde von mehr als 2000 Personnen untergeschrieben.
FÜR EINE GERECHTE UND EFFIZIENTE WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG.
Diese Petition wendet sich an alle, denen die Zukunft der Forschung und Lehre in der Schweiz ein Anliegen ist. actionuni wird diese Petition Herrn Bundesrat Pascal Couchepin, Vorsteher des EDI, überreichen. In der Schweiz herrschen oft sehr schlechte Arbeitsbedingungen für Doktorierende und Assistierende:
DER ARBEITSVERTRAG WIRD HÄUFIG NICHT RESPEKTIERT Es existiert oft keine klare Arbeitszeitregelung. Viele Doktoranden und Doktorandinnen werden nur zu 50% oder weniger angestellt, müssen aber meist 100% oder mehr arbeiten und werden oft willkürlich für Assistenz und anfallende Arbeiten an der Universität eingesetzt.
DIE LÖHNE SIND WILLKÜRLICH Es existiert kein Gesamtvertrag für die Löhne der Doktorierenden, nicht einmal Übereinkünfte an den einzelnen Universitäten. Viele Instituten können den Lohn der DoktorandInnen beliebig festlegen. So reicht die Lohnpalette von weniger als Fr. 2000.- pro Monat bis zu Fr. 5000.- . Das bedeutet: Viele DoktorandInnen leben trotz langer Ausbildung und hochqualifizierter Arbeit unter dem Existenzminimum.
DAHER VERLANGEN WIR: 1. Die Einhaltung des Arbeitsrechts für alle Doktorierenden und Assistierenden sowie die Einführung eines Grundvertrages, worin die Arbeitszeit, der Lohn, die Einstellungsbedingungen und die Aufgaben klar festgelegt sind. 2. Die Einführung eines gesamtschweizerischen Mindestlohns für alle Doktorierenden und Assistierenden, die der geleisteten Arbeit entsprechen und mit den Löhnen in öffentlichen Sektoren konkurrenzieren können. 3. Die Einführung einer Schlichtungsstelle (Ombudsmann), die bei möglichen Konflikten vermitteln kann. UND WIR SCHLAGEN VOR 1. dass feste Stellen in Forschung und Lehre eingeführt werden, um den besten WissenschafterInnen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. 2. die Einführung eines Doktoratsausschusses, um mögliche Abhängigkeiten und Missbrauch des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen DoktorandIn und SupervisorIn zu vermeiden.
Erläuterungen zur Petition1. Was ist ein Doktorat?Doktorierende führen nach abgeschlossenem Hochschulstudium ein eigenständiges Forschungsprojekt durch, das sie mit einer Dissertation abschliessen. Oft werden sie dazu von einer Institution, meist der Universität, während 3-5 Jahren angestellt. Die Zeit kann aber beträchtlich variieren. Bezahlt wird man normalerweise von der Universität, dem Nationalfond und/oder von Drittmitteln. In einigen Instituten bestehen Weiterbildungsprogramme oder die Möglichkeit, fachspezifische Vorlesungen zu besuchen, und oft kann oder muss man nebenher als AssitentIn arbeiten. 2. Probleme2.1. Unklare Arbeitsbedingungen Oft herrschen undurchsichtige Arbeitsbedingungen. Viele Doktorierende haben z.B. keinen Vertrag und/oder kein Pfllichtenheft. So sind wichtige Arbeitsbedingungen wie Anstellungsgrad, Präsenzzeit, Aufgabenbereich, Kündigungsfrist etc. unklar oder gar nicht geregelt. Die Forschenden können beliebig für anfallende Arbeiten eingesetzt und ausgenutzt werden. Klare Regelungen sind umso wichtiger, als Doktorierende oft vollumfänglich von ihrem/r SupervisorIn abhängig sind.Der Bericht "Situation des Mittelbaus der Schweizer Hochschulen" sagt dazu (1997, im Auftrag der SUK, des SWRT und des Schweizerischen Nationalfonds): "Ungefähr ein Drittel der Mittelbauangestellten hat ein Pflichtenheft. Etwas mehr als die Hälfte des unteren und oberen Mittelbaus und 60% der ProfessorInnen betrachten ein Pflichtenheft in seiner jetztigen Form als nicht wirklich wichtig. Es scheint, dass das Abhängigkeitsverhältnis, das den Mittelbau an die ProfessorInnen bindet, das Pflichtenheft ersetzt."2.2. Arbeitszeit Es existiert oft keine klare Arbeitszeitregelung. Viele DoktorandInnen werden nur zu 50% oder weniger angestellt, müssen aber meist 100% oder mehr arbeiten. Oft werden sie willkürlich für Assistenz und anfallende Arbeiten an der Uni eingesetzt. Nicht selten werden sie gezwungen, in der Lehre mitzuarbeiten, ohne einen Vertrag zu haben oder dafür bezahlt zu werden. Auszug aus "Situation des Mittelbaus der Schweizer Hochschulen": "An den Universitäten scheint Teilzeitanstellung zu einem besonders widernatürlichen Ergebnis zu führen: Der Umfang von gratis geleisteter Arbeit ist beträchtlich. In der Tat denkt nur ein Drittel der Mittelbauangestellten, keine Überstunden zu leisten. 20% der vom Mittelbau geleisteten Arbeit ist unbezahlt. Insbesondere Personen, die nur zu 50% angestellt sind, machen 35% Überstunden. Personen hingegen, die zu weniger als 50% angestellt sind, überschreiten viel weniger die offizielle Arbeitszeit. Oder anders gesagt: Hochschulen, die eine Mindestanstellung von 50% vorschreiben , gewinnen vielmehr an Arbeitskapazität als sie verlieren. Es wäre also richtiger, von 'Teillohn' anstatt von 'Teilzeitarbeit' zu sprechen." 2.3. Löhne Es existiert kein Gesamtvertrag für die Löhne der DoktorandInnen, nicht einmal Übereinkünfte an den einzelnen Universitäten. Jedes Institut kann den Lohn seiner DoktorandInnen beliebig festlegen. Viele ProfessorInnen stellen Doktorierende mit gleichwertiger Vorbildung und für die gleiche Arbeit zu völlig verschiedenen Löhnen an. So reicht die Lohnpalette von weniger als Fr. 2000.- pro Monat bis zu Fr. 5000.- . Das bedeutet: Viele DoktorandInnen leben trotz langer Ausbildung und hochqualifizierter Arbeit unter dem Existenzminimum! Auszug aus "Situation des Mittelbaus der Schweizer Hochschulen": "Die Löhne hangen natürlich stark ab vom Anstellungsprozent und der Funktion, die eine Person inne hat, aber auch von der Fachrichtung, der Finanzierungsquelle und der jeweiligen Hochschule. In der Biologie beispielsweise verdient der untere Mittelbau mit Fr. 36'000.- pro Jahr fast dreimal weniger als der obere Mittelbau (Fr. 100'000.-) und erreicht nicht einmal einen Viertel eines Professorenlohns (Fr. 161'000.-). Die Unterschiede sind noch schreiender im Fach Geschichte, wo die Professoren, alle zu 100% angestellt (Fr. 187'000), fast viermal soviel verdienen wie der obere Mittelbau (Fr. 50'000.-) und fast fünfmal soviel wie der untere Mittelbau (Fr. 39'000.-). Im Fach Wirtschaft profitieren letztere mit Fr. 55'000.- immerhin von einem etwas besseren Lohn als ihre Kollegen in Geschichte und Biologie, aber die Wirtschafter des oberen Mittelbaus haben es nicht besser getroffen (Fr. 55'000.-) als ihre Geschichskollegen, und der Abstand zum Professorenlohn (Fr. 170'000.-) wird nur umso höher." Es muss angefügt werden, dass sich diese Zahlen nicht sehr verändert haben, seit dieser Bericht erschienen ist. Zudem handelt es sich um Durchschnittsangaben, was bedeutet, dass man noch viel schlimmere Fälle findet... So gibt es zwischen St. Gallen und Genf ein Institut, in dem Doktorierende zu 50% angestellt werden, aber 100% für ihr Forschungsprojekt arbeiten und gratis Assistenz leisten müssen. Zudem erhalten an diesem Institut einige Doktorierende einen zwei- bis dreimal höheren Lohn als alle übrigen Doktorierenden. Einziger Grund: Ein Studienabschluss in einer anderen Fachrichtung. Die tägliche Arbeit ist aber für alle dieselbe. In Zahlen ausgedrückt: Doktorierende im 4. Jahr verdienen ca. Fr. 2'500.- pro Monat, während einige ihrer Kollegen im 1. Jahr Fr. 5900.- verdienen... 3. Falsche Rechtfertigungen3.1. "Das Doktorat ist eine Ausbildung" Doktorierende sind Akademiker mit abgeschlossenem Hochschulstudium, die über ein grosses Fachwissen verfügen. Dass sie anfangs in die Forschung eingeführt werden müssen, unterscheidet sie nicht von anderen Hochschulabgängern, denn auch in der Privatwirtschaft und beim Bund wird man in seine Arbeit eingeführt und für spezifische Aufgaben ausgebildet. In den meisten Berufsgattungen ist man verpflichtet, Weiterbildungskurse zu besuchen und an betriebsinternen Seminaren teilzunehmen, denn die wenigsten Firmen können es sich heute noch leisten, ihre Angestellten nicht weiterzubilden. Das gilt auch für die Universität, denn die Forschungsinstitution profitiert direkt von gutausgebildeten MitarbeiterInnen. Dass sie Doktorierende nur zu deren persönlichem Wohl ausbildet, ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Hinzu kommt, dass an den wenigsten Instituten Graduiertenprogramme bestehen und die Betreuung durch den zuständige/n ProfessorIn in vielen Fällen zu wünschen übrig lässt. So entpuppt sich die sogenannte Ausbildung oft als "Learning by doing".3.2. "Doktorierende arbeiten für ihre persönliche Diss" Normalerweise wendet der/die Doktorierende am Ende des Doktorats nur wenig Zeit auf, um die Dissertation zu redigieren. Denn in den allermeisten Fällen verfassen Doktorierende nicht allein eine Arbeit, die niemanden interessiert, sondern arbeiten in einer Forschungsgruppe an einem Projekt. Sie tragen damit massgeblich zu Resultaten in der Forschung bei: Der grösste Teil aller Forschungsarbeit (Experimente, Analysen, Schreiben von Publikationen etc.) wird von Doktorierenden ausgeführt. Diese Resultate werden in internationalen Fachzeitschriften publiziert - normalerweise mit dem Namen des Professors und der Universität! Wenn die Universität nicht bereit ist, für diese hochqualifizierte Arbeit einen angemessenen Lohn zu bezahlen, müsste sie konsequenterweise aufhören, ihren Namen unter die Publikationen zu setzen und sich mit den von Doktorierenden erarbeiteten Forschungsresultaten zu brüsten. Erst dann könnte man ein Doktorat als Privatangelegenheit betrachten. 3.3. "Doktorierende erhalten einen Doktortitel" Der Doktortitel, den man gegen Vorweisen einer Dissertation erhält, steht in keinem direkten Zusammenhang mit der täglichen hochspezialisierten Arbeit, die man in Forschungsinstitutionen leistet. Der Doktortitel ist ein Leistungsausweis, der bestätigt, dass man erfolgreich ein qualifiziertes Forschungsprojekt durchgeführt hat. Weshalb deswegen die Forschungsarbeit nicht bezahlt wird, ist schleierhaft. Das hiesse ja, dass man entweder seinen Doktortitel durch den Verlust eines angemessenen Salärs indirekt bezahlt, was an ausländische Zustände denken lässt, wo man akademische Titel kaufen kann, oder dass sich nur noch Reiche ein Doktorat leisten können. Beides ist für den Ruf und die Qualität der Schweizer Forschung katastrophal. 3.4. "Doktorierende verdienen später mehr" Noch nie hat man einen Bankangestellten schlecht bezahlt, nur weil er Aussichten auf eine Bankdirektorenstelle mit hohem Lohn hat, und kaum jemand muss unter dem Existenzminimum leben, weil er/sie später viel verdienen könnte. Nur Doktorierende werden mit diesem Argument abgespiesen. Der Lohn von Forschenden muss aber auf der momentan geleisteten Arbeit basieren und nicht auf einer späteren, imaginären Anstellung. Ob man später tatsächlich mehr verdient, hängt zudem von der Situation jedes einzelnen ab, und ein Doktortitel ist heutzutage keine Garantie mehr für einen gutbezahlten Job. 3.5. "Doktorierende sollen aus Motivation, nicht aus Geldgründen arbeiten" Viele ProfessorInnen gehen von der naiven und irrigen Ansicht aus, dass bei schlechten Arbeitsbedingungen und tiefem Lohn nur die motiviertesten und besten AkademikerInnen in der Forschung bleiben, die Forschung um jeden Preis betreiben wollen. Dies ist ein denkbar schlechtes Auswahlverfahren, das auf dem Aufopferungsprinzip basiert. Bereitschaft zur Aufopferung und die Eignung für eine bestimmte Aufgabe sind aber nicht unbedingt korreliert. Gute ForscherInnen für sich gewinnen kann nur, wer attraktive Arbeitsbedingungen mit strengem Auswahlverfahren und Qualitätskontrolle bietet. 3.6. "DoktorandInnen haben eine interessante Arbeit" Doktorierende rechtfertigen ihren tiefen Lohn oft selber damit, dass sie eine interessante Arbeit verrichten dürfen und die akademische Freiheit geniessen. Toll, wenn DoktorandInnen ihre Arbeit als interessant empfinden. Das darf aber kein Argument sein, um ausgenützt zu werden. Denn der Lohn sollte auch an Forschungsinstituten nicht auf subjektiven Empfindungen basieren, sondern auf der hochspezialisierten Ausbildung und qualifizierten Arbeit. 3.7. "Es steht nicht mehr Geld zur Verfügung" Wenn man nach den Gründen des schlechten Lohns fragt, erhält man oft zur Antwort, dass am Institut halt nicht mehr Geld übrig sei. Das wirft Fragen auf nach der Personalpolitik der Universitäten. In keinem anderen Betrieb ist es möglich, 100%-Stellen auf beliebig viele Personen aufzusplitten und gleichzeitig zu erwarten, dass alle 100% arbeiten. Nur an Universitäten ist dies gang und gäbe. Die Überlegung, dass weniger, dafür gute Doktorierende, die zu gerechten Bedingungen arbeiten, langfristig einen grösseren Output bewirken als eine Armee von schlechtbezahlten, frustrierten Doktorierenden, wird offenbar nicht gemacht. 3.8. "Die Bedingungen für Doktorierende sind im Ausland noch viel schlimmer" Oft hört man als Argument, dass die Bedingungen für Doktorierende in der Schweiz paradiesisch sind verglichen mit dem Ausland, wo oft noch schlimmere Zustände herrschen. Das mag ja sein, hat aber nichts zur Sache. Denn Doktorierende leben in der Schweiz und müssen die hohen Lebenskosten hier bestreiten. Und Forschungsinstitute müssen mit Arbeitgebern in der Schweiz konkurrenzieren, nicht mit dem Ausland. Wenn sie den Kampf um die besten Leute für sich gewinnen wollen, müssen sie sich nach den Bedingungen in der Schweiz ausrichten. 3.9. "Man findet immer Leute, die zu diesen Bedingungen ein Doktorat" machen Gerade in Naturwissenschaften haben ForscherInnen immer mehr Mühe, freie Stellen zu besetzen, da es für AkademikerInnen in Naturwissenschaften genügend attraktive Arbeitsplätze in der Industrie gibt. Da aber in vielen Ländern die Arbeitssituation oft schlechter ist, finden sich immer Leute, die selbst zu schlechten Bedingungen arbeiten. Ein internationaler Austausch in der Forschung ist natürlich wünschenswert und wichtig. Es darf aber nicht zur Regel werden, Doktoratsstellen nur noch mit AusländerInnen zu besetzen. Denn das heisst, wissenschaftlichen Nachwuchs für andere Länder auszubilden. Diese jungen ForscherInnen müssen ja nach dem Doktorat die Schweiz meist wieder verlassen und wenden das erarbeitete Wissen selten in der Schweiz an. Dies nennt man "brain drain". Für die Schweiz ist es unabdingbar, Leute auszubilden, die in der Schweiz bleiben, nur so können wir langfristig das Wissen in der Schweiz mehren und sichern. Es muss auch angefügt werden, dass ein völllig liberaler Arbeitsmarkt zu Lohndumping führen kann. 3.10. "Die jetzige Situation hat historische Gründe" "Das war halt schon immer so", mit solchen und ähnlichen Antworten müssen sich Doktorierende oft zufrieden geben, wenn sie die Arbeitsbedingungen kritisch hinterfragen. Es ist fragwürdig, dass Institutionen, die in Forschung und Technologie international an der Spitze stehen wollen, sich mit historischen Argumenten rechtfertigen und so indirekt zugeben, dass sie es nicht geschafft haben, auf die sich verändernden Bedürfnisse der Gesellschaft zu reagieren. Wenn die Weitsicht und Flexibilität fehlt, sich der veränderten Gesellschaftsstruktur anzupassen, ist es kurzfristig praktischer, auf einem veralteten, konservativen System zu beharren. Langfristig wird dies hingegen katastrophale Folgen haben. 4. FazitDie Schweizer Gesellschaft, PolitikerInnen und Verantwortliche in der Forschung müssen sich entscheiden, ob sie Forschung und das daraus resultierende Wissen als wichtig und unabdingbar betrachten für ein hochentwickeltes Land wie die Schweiz. Lautet die Antwort ja, dann muss die Schweiz klar Stellung zu diesem Entscheid beziehen. Das heisst, die universitäre Forschung entsprechend fördern und die dazu nötigen Mittel aufwenden. Dabei genügt es nicht, interessante Arbeit anzubieten oder Gelder in zusätzliche Projekte fliessen zu lassen. Dringend notwendig ist es, die jetzige gesellschaftliche Situation zu analysieren und die Arbeitsbedingungen den Bedürfnissen der jungen Generation anzupassen. Die Konsequenz wäre eine tiefgreifende Reform der überholten, hierarchischen universitären Systeme. Daraus folgen müssten für ForscherInnen u.a. einheitliche Strukturen, angemessene Löhne, klar geregelte Arbeitszeit, gesamtschweizerisch definierte Doktorate und langfristige Karriereperspektiven. Nur so können Universitäten und Hochschulen langfristig attraktive Arbeitsplätze schaffen. Diese sind dringend nötig, wenn die Forschungsinstitute international konkurrenzfähig bleiben wollen, denn dann müssen sie die besten ForscherInnen für sich gewinnen
5. Verbesserungsvorschlägeactionuni weist auf die dringenden Probleme hin, die zur Zeit in der universitären Forschung herrschen. Daher schlägt actionuni die Petition "Für eine gerechte und effiziente wissenschaftliche Forschung" vor, deren Ziel es ist, die universitäre Forschung für junge, gute AkademikerInnen wieder attraktiv zu machen. Die Petition soll ein erster Schritt sein für eine effiziente Nachwuchsförderung, die zu einer konkurrenzfähigen Forschung in der Schweiz führen soll.Auszug aus "Situation des Mittelbaus der Schweizer Hochschulen": "Somit ist die momentan schwierige Lage des Mittelbaus nicht ein noch diskreter, aber klarer Hinweis auf vorübergehende, konjunkturbedingte Probleme, die man mit gezielten, zusätzlichen finanziellen Resourcen beheben könnte. Die Schwierigkeiten, die sichtbar werden, sind struktureller Natur. Sie können nur durch eine grundsätzlichere Neuorientierung gelöst werden, die unabdingbar ist, wenn sich die Hochschulen für eine sichere Zukunft entscheiden wollen." |
